Camping als Langstrecke oder Kurzstrecke?
Camping als Langstrecke oder Kurzstrecke? Heimat, Italien oder Kroatien?
Camping bedeutet Freiheit. Einfach losfahren, das Zuhause auf Rädern dabei haben, morgens den Kaffee vor dem Camper trinken und abends den Sonnenuntergang genießen. Aber ganz ehrlich: Bei den aktuellen Spritpreisen schaut man heute anders auf die Urlaubsplanung als früher.
Der ADAC meldete Ende Mai 2026 bundesweit rund 1,94 € für Super E10 und 1,90 € für Diesel im Tagesdurchschnitt. Im März 2026 lag Diesel im Monatsmittel sogar bei 2,164 € pro Liter, dem höchsten Monatswert, den der ADAC bis dahin gemessen hatte.
Die große Frage: Muss es immer Italien oder Kroatien sein?
Natürlich sind Italien und Kroatien traumhaft. Meer, Berge, gutes Essen, Sonne, Campingplätze direkt am Wasser – das hat schon was. Aber der Weg dorthin ist lang. Von Süddeutschland bis an die Adria kommen schnell 700 bis 1.000 Kilometer pro Strecke zusammen. Hin und zurück sind das oft 1.500 bis 2.000 Kilometer, ohne Ausflüge vor Ort.
Ein Wohnmobil oder Campervan verbraucht je nach Größe, Gewicht, Tempo und Beladung grob zwischen 8 und 13 Litern auf 100 Kilometer. Bei 2.000 Kilometern und 10 Litern Verbrauch sind das rund 200 Liter Kraftstoff. Bei etwa 1,90 € pro Liter Diesel liegen allein die Spritkosten bei ungefähr 380 €. Dazu kommen Maut, Vignetten, eventuell Tunnelgebühren und höhere Belastung fürs Fahrzeug.
Auch die Umwelt fährt mit: Laut Umweltbundesamt entstehen bei der Verbrennung von 1 Liter Diesel etwa 2,65 kg CO₂, bei 1 Liter Benzin etwa 2,33 kg CO₂.
Bei 200 Litern Diesel wären das rund 530 kg CO₂ – nur für die Fahrt.
Kurzstrecke: Campingglück vor der Haustür
Die Heimat wird oft unterschätzt. Franken, Lüneburger Heide, Fehmarn, Bayerischer Wald, Schwarzwald, Spessart, Rhön, Mosel, Main, Bodensee oder Nordsee – Deutschland hat wunderschöne Campingregionen. Und das Beste: Man ist oft in wenigen Stunden da.
Eine Kurzreise von 100 bis 250 Kilometern pro Strecke ist deutlich entspannter. Weniger Sprit, weniger Stress, weniger Stau, weniger CO₂. Gerade für Wochenenden oder verlängerte Wochenenden ist das ideal.
Vorteile einer Kurzreise:
Man spart deutlich Kraftstoffkosten. Die Anreise ist entspannter. Man kann öfter spontan losfahren. Die Umwelt wird weniger belastet. Man entdeckt Regionen, die man sonst übersieht. Und man hat mehr Zeit auf dem Campingplatz statt auf der Autobahn.
Nachteile einer Kurzreise:
Das große Urlaubsgefühl mit Mittelmeer, Palmen und südlichem Flair fehlt vielleicht. Das Wetter ist in Deutschland nicht immer planbar. Manche Plätze sind an Wochenenden schnell ausgebucht.
Langstrecke: Freiheit mit Verantwortung
Eine längere Tour nach Italien, Kroatien oder Südfrankreich kann trotzdem wunderschön sein. Aber sie sollte bewusster geplant werden. Wer zwei oder drei Wochen unterwegs ist, verteilt die Umweltbelastung auf eine längere Urlaubszeit. Problematisch wird es eher, wenn man für vier oder fünf Tage 1.500 Kilometer fährt.
Vorteile einer Langstrecke:
Man erlebt andere Länder, Kulturen und Landschaften. Das Wetter ist oft stabiler. Die Campingplätze am Meer haben natürlich ihren Reiz. Für längere Urlaube lohnt sich die Strecke eher.
Nachteile einer Langstrecke:
Hohe Spritkosten. Mehr CO₂-Ausstoß. Maut und Vignetten kommen dazu. Die Fahrt ist anstrengend. Stau am Brenner oder vor Mautstellen kann Nerven kosten. In Kroatien sind Autobahnen mautpflichtig; die digitale Maut soll das System künftig vereinfachen. Auch Italien hat streckenabhängige Autobahnmaut und teils zusätzliche Gebühren für Tunnel oder Passstraßen.
Mein CamperSchildi-Fazit
Camping muss nicht weit weg sein, um schön zu sein. Gerade bei hohen Spritpreisen und dem Blick auf die Umwelt ist die Kurzreise in der Heimat oft die bessere Wahl. Weniger Kilometer bedeuten weniger Kosten, weniger CO₂ und mehr entspannte Zeit am Ziel.
Aber: Langstrecke ist nicht grundsätzlich schlecht. Es kommt darauf an, wie man reist. Wer langsam fährt, länger bleibt, Zwischenstopps einplant, regional einkauft, Müll vermeidet und bewusst unterwegs ist, kann auch eine Italien- oder Kroatienreise verantwortungsvoller gestalten.
Vielleicht ist genau das der neue Campinggedanke: Nicht immer weiter, schneller, größer – sondern bewusster, entspannter und nachhaltiger.
Denn am Ende zählt nicht, wie viele Kilometer wir gefahren sind. Es zählt, was wir erlebt haben – und wie sauber wir die Natur wieder verlassen.
CamperSchildi sagt:
Heimat kann Abenteuer. Kurzstrecke kann Urlaub. Und Natur verdient Respekt. 🐢🌿🚐
Geschrieben von Holger #teamcamperschildi
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